Mittwoch, 14. Januar 2009

Der Untergang des Freistaates!

Im Moment bin ich in Adelaide, South Australia. Die Stadt ist schoen, jedoch fuer ihre groesse erstaunlich ruhig. Plaene, hier eine Arbeit zu finden werden wohl erstmal vertagt werden muessen. Im Hostel habe ich ein paar Maedels kennengelernt, die mich heute mit zu einem Ausflug ins gut 20 min entfernte Hahndorf, der aeltesten deutschen Siedlung in Australien, genommen haben.
Siehe da, es ist wirklich sehr deutsch, es erinnert fast ein wenig an Worpswede oder Fischerhude. Kleine Fachwerkhaeuser die wie an einer Perlenkette an einer Ahorn und Eichenalee liegen. Einige deutsche Fahnen sowie kleine Laeden machen einen grossteil des Dorfbildes aus.
Neben dem deutschen Baeker, der Sourdough Bread verkauft, also gutes deutsches Graubrot gibt es auch einen deutschen Gasthof das 'German Arms Hotel'. Waffen sucht man vergebens, lediglich ein deutscher Granatwerfer der im Ersten Weltkrieg erbeutet wurde steht gut 100 entfernt auf einem Platz. Das Restaurant verstroehmt ansonsten gute Wirtshausatmosphaere, wenn man mal von der hyperaktiven Kellnerin, die weder Bestellungen aufnimmt noch Essen serviert einmal absieht.
Bestellen musste man so an der Bar, unter anderem auch die Getraenke.
Die seltsam anmutenden deutschen Gerichte, "German Wurst Trio" um nur eines zu nennen, veranlassten mich, es doch lieber mit dem "German Giant Hot Dog" zu probieren.
Dazu sollte es ein frisch gezapftes Franziskaner Weissbier sein. 7$ fuer ein kleines und los ging das unfassbare Schauspiel. Die Bardame nahm ein Beck's Pilsglas aus dem Regal und fuellte es mit dem goldgelben Gerstensaft. Ich wollte noch schreien, aber es war zu spaet. Naja, dachte ich, vielleicht haben sie keine anderen Glaeser und bevor ich mich in typisch deutscher Manier am anderen Ende der Welt ueber die Missachtung einiger grundsaetzlichen Regeln aufrege, nehme ich es gelassen und trinke ein Muenchener Hefeweizen eben aus einem Bremer Pilsglas. Ein Oxymoron wie es selbst Goethe, seineszeichens jedoch Weinsaeufer, in keinem Gedicht besser haette formulieren koennen.
Nach dem ersten Schluck wurde mir jedoch klar, wieso es ueberhaupt unterschiedliche Bierglaeser gibt, denn das Franziskaner schmeckte einfach nur schlecht. Seifig und wie aus der Flasche.
Als ich nochmals zur Bar ging um eine Kanne Wasser fuer meine Begleiterinnen und mich zu besorgen erspaehte ich das Unfassbare. Ein kleines Hefeweizenglas, aus meiner Zeit im Paulaners Biergarten zu Bremen wohlbekannt.
Sofort stellte ich die Bardame zur Rede:
"Why did you gave me the wheat beer in a pilsener glas when you got wheat beer glasses?"
"Well, that's a small one?!?"
"I know, I ordered a small one"
"Does it make a difference? I mean both are made out of glass!"
"It's not about the material, it's about the shape!!" (Do this in Germany and you'll be killed, argh!)
"Okey, okey, bring it back and I'll give you a new one"

Das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich mich in einem Restaurant ueber das Servierte beschwert habe. Ich belaechele nach wie vor diejenigen, die meinen ihre Cola zu warm oder mit zu viel Eis serviert bekommen zu haben, aber dieses mal musste ich mich unter sie mischen.
In einem deutschen Dorf, das explizit mit deutscher Kultur, sprich Bier wirbt sollte es moeglich sein, ein Weizenbier in einem Weizenglas zu servieren, grade wenn diese Griffbereit im Regal stehen, anstatt es lieblos in ein Beck's Pilsglas zu fuellen.
Letztenendes ist es eben dennoch nur ein Plagiat mit dem man versucht asiatische Touristen anzulocken und ihnen echte deutsche Kultur vorzugaukeln.
Dazu erinnerte es mich hier an einen kurzen Dialog mit dem Loewenbraeu Geschaeftsfuehrer in Sydney:
"Paulaners in Bremen? What do they serve there? Fish?"
"Nope, Kangaroo Steak, like you do..."