Dienstag, 7. Oktober 2008

Interkulturelle Verstaendigung mit historischem Hintergrund oder Israelis beim Wwoofen

Vor zwei Tagen sind zwei Israelis, ein Mann und eine Frau mitte zwanzig angekommen.
Das kennenlernen war recht holperig, wir entdeckten ihr Auto auf dem Hof und schon bald kamen sie uns entgegen. Erste Fragen wurden gestellt, wer wir seien, ob der Jeep uns gehoere und so weiter und so fort. Als Jascha vorschlug, dass wir am Abend ja gemeinsam kochen koennten, wurde das dankend abgelehnt, man wuerde sein eigenes Essen kochen.
Recht schnell stellte sich heraus, dass die Israelin (Hadar) nur 'Kosheres' isst und dies eben nach einer speziellen Zubereitung verlangt. Trotzdem sassen wir am Abend alle gemeisam in der Wwoofers Kitchen und hoerten uns an, was 'Kosher' eigentlich bedeutet und wie etwas 'Kosher' wird. Wieder was gelernt.
Ich bin immer etwas zurueckhaltend und vorsichtig bei Reisenden aus Israel. Nein, es ist kein negatives Vorurteil, welches ich hege, aber letztenendes ist die Beziehung zwischen Deutschen und Israelis nicht immer die beste gewesen und genauso wie es unverbesserliche und ewiggestrige Nazis in Deutschland gibt, gibt es sicher auch einige Israelis, deren Bild eines Deutschen untrennbar mit Uniform und Hakenkreuzen verbunden ist. Als ehemaliger Geschichts - LKler ist mir darueber hinaus auch einiges aus der Geschichte beider Laender im Gedaechtnis geblieben und so freute es mich umso mehr, dass wir bis zum heutigen Tag nicht ein! Wort ueber Nazis, KZ, Schuld oder Unschuld verloren haben.
Trotzdem wurde es am zweiten Tag politisch. Als wir mit Zohar, dem Israeli alte Bretter entnagelten, kamen wir auf den Israel-Palestina Konflikt zu sprechen. Es stellte sich heraus, dass er Panzerfahrer war. Genaugenommen Panzergrenadier, zum Nachladen und Abfeuern des Rohres zustaendig. Fuer fuenf Jahre. Weiter erzaehlte er, dass er schon viele Kampfeinsaetze gehabt hat und einmal ueber eineinhalb Wochen im Panzer gefangen war, weil seine Einheit von Palaestinensern eingekesselt war. Da bekommen die Bilder aus dem Fernseher eine ganz andere Bedeutung, fast schon ein Gesicht. Seine Meinung ueber den Konflikt: Er wird niemals enden, es sei denn eine der beiden Parteien existiert nicht mehr, was sicher nicht so schnell passieren wird. Letztenendes ist es fuer mich ungeheuer spannend, dass kaum eine Generation her, Deutsche Juden auf bestialischste Art und Weise die niemals vorher in diesem Ausmass existierte toeteten und wir heute, 70 Jahre spaeter, nebeneinander stehen, zusammen arbeiten, essen und diskutieren ohne die Geschichte zum Gegenstand unseres Verhaeltnisses zu machen. Vielleicht haben wir aber einfach zu viel Angst davor, dieses heisse Eisen anzufassen.
Mit Hadar verstehe ich mich sehr gut, wir sitzen oefters am Pool, waehrend Jascha und Matani wie achtjaehrige im Wasser tollen, und tauschen uns ueber Reiseziele, Autounfaelle, erste Fahrerfahrungen und weitere Vorhaben in Australien aus. Auch wir haben uns ueber den Konflikt unterhalten und kamen auf den hohen Wehretat Israels. Ich habe ihr erzaehlt, dass wir in Deutschland grade dabei sind, die Armee immer kleiner und somit mobiler sowie schlagfaehiger zu machen. "We don't need a big army anymore. We're surrounded by friends!"
Sie antwortete darauf: "Surrounded by friends, that's hard to imagine. I wish we would be surrounded by friends!"

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