Montag, 13. Oktober 2008

Auto fahren in Australien

Mittlerweile haben wir 1500 km auf australischen Strassen zurueckgelegt und ich bin mir eines umfassenden Urteils immer noch nicht sicher.

Die ersten Meter waren sehr spannend, Linksverkehr und unbekannte Strassen in Sydney.

Dazu die geballte Kraft von mehr als 150PS die ihren Sprit aus sechs 3 Liter Troegen saufen. 13 Liter plus. "Natuerlich", moechte man sagen, "solch ein grosses Auto braucht nunmal Sprit". Trotzdem ist es ungewohnt, denn in Deutschland bin ich mit 3 Litern sehr gut ausgekommen... Psychologisch und so.

Weiter kommen fuer uns deutsche Verkehrsrambos hoechst seltsame Regeln im Kreisverkehr, die es hier zuhauf gibt, hinzu. Je nachdem ob man die erste Ausfahrt, geradeaus oder die dritte Ausfahrt nimmt muss man links, gar nicht oder rechts blinken. Dieser Regelung unbewusst wurden wir auch recht bald nach einem Kreisverkehr von einer australischen Streife angehalten, die uns freundlich darauf hin wies, was wir falsch gemacht haben.
Mittlerweile laeuft es aber alles super und man faehrt so sicher wie in Deutschland auch. Bis es aber soweit war, haben wir einige brenzlige Situationen gemeistert. Unter anderem notorisch rasende Farmer, die jede Kurve auf der Ideallinie fahren und im schlimmsten Fall ihr Fernlicht permanent an haben. So wird das befahren von kurvigen Bergstrassen zur Lotterie bei der wir bis jetzt jedes mal zumindest den Trostpreis abgeraeumt haben.
Weiter gibt es hier in Australien auch mal Steigungen sowie Gefaelle und damit verbundene Kurven zu meistern, was man in Bremen als Autofahrer gaenzlich vermisst. Ich erinnere mich dann immer daran, dass die B6 von Bremen nach Cuxhaven einer einspurigen Autobahn gleichkommt, bei der man lediglich eine handvoll sehr langer Kurven auf dem Weg zu seinem Ziel hat. Die hoechste Steigung die man zu ueberwinden hat ist die Dorfein - bzw. ausfahrt Altenwaldes von geschaetzt 20 Metern auf 300 Metern Strecke.
Wildwechsel gibt es nur in Form von Koalas sowie ein Wallaby, das gestern unseren Weg kreuzte. Bis jetzt haben wir nur bereist ueberfahrene gesehen und hoffentlich bleibt es dabei, denn ein Tier mit unserem Jeep zu erwischen stelle ich mir alles andere als lustig, fuer beide Parteien, vor.

Dienstag, 7. Oktober 2008

Interkulturelle Verstaendigung mit historischem Hintergrund oder Israelis beim Wwoofen

Vor zwei Tagen sind zwei Israelis, ein Mann und eine Frau mitte zwanzig angekommen.
Das kennenlernen war recht holperig, wir entdeckten ihr Auto auf dem Hof und schon bald kamen sie uns entgegen. Erste Fragen wurden gestellt, wer wir seien, ob der Jeep uns gehoere und so weiter und so fort. Als Jascha vorschlug, dass wir am Abend ja gemeinsam kochen koennten, wurde das dankend abgelehnt, man wuerde sein eigenes Essen kochen.
Recht schnell stellte sich heraus, dass die Israelin (Hadar) nur 'Kosheres' isst und dies eben nach einer speziellen Zubereitung verlangt. Trotzdem sassen wir am Abend alle gemeisam in der Wwoofers Kitchen und hoerten uns an, was 'Kosher' eigentlich bedeutet und wie etwas 'Kosher' wird. Wieder was gelernt.
Ich bin immer etwas zurueckhaltend und vorsichtig bei Reisenden aus Israel. Nein, es ist kein negatives Vorurteil, welches ich hege, aber letztenendes ist die Beziehung zwischen Deutschen und Israelis nicht immer die beste gewesen und genauso wie es unverbesserliche und ewiggestrige Nazis in Deutschland gibt, gibt es sicher auch einige Israelis, deren Bild eines Deutschen untrennbar mit Uniform und Hakenkreuzen verbunden ist. Als ehemaliger Geschichts - LKler ist mir darueber hinaus auch einiges aus der Geschichte beider Laender im Gedaechtnis geblieben und so freute es mich umso mehr, dass wir bis zum heutigen Tag nicht ein! Wort ueber Nazis, KZ, Schuld oder Unschuld verloren haben.
Trotzdem wurde es am zweiten Tag politisch. Als wir mit Zohar, dem Israeli alte Bretter entnagelten, kamen wir auf den Israel-Palestina Konflikt zu sprechen. Es stellte sich heraus, dass er Panzerfahrer war. Genaugenommen Panzergrenadier, zum Nachladen und Abfeuern des Rohres zustaendig. Fuer fuenf Jahre. Weiter erzaehlte er, dass er schon viele Kampfeinsaetze gehabt hat und einmal ueber eineinhalb Wochen im Panzer gefangen war, weil seine Einheit von Palaestinensern eingekesselt war. Da bekommen die Bilder aus dem Fernseher eine ganz andere Bedeutung, fast schon ein Gesicht. Seine Meinung ueber den Konflikt: Er wird niemals enden, es sei denn eine der beiden Parteien existiert nicht mehr, was sicher nicht so schnell passieren wird. Letztenendes ist es fuer mich ungeheuer spannend, dass kaum eine Generation her, Deutsche Juden auf bestialischste Art und Weise die niemals vorher in diesem Ausmass existierte toeteten und wir heute, 70 Jahre spaeter, nebeneinander stehen, zusammen arbeiten, essen und diskutieren ohne die Geschichte zum Gegenstand unseres Verhaeltnisses zu machen. Vielleicht haben wir aber einfach zu viel Angst davor, dieses heisse Eisen anzufassen.
Mit Hadar verstehe ich mich sehr gut, wir sitzen oefters am Pool, waehrend Jascha und Matani wie achtjaehrige im Wasser tollen, und tauschen uns ueber Reiseziele, Autounfaelle, erste Fahrerfahrungen und weitere Vorhaben in Australien aus. Auch wir haben uns ueber den Konflikt unterhalten und kamen auf den hohen Wehretat Israels. Ich habe ihr erzaehlt, dass wir in Deutschland grade dabei sind, die Armee immer kleiner und somit mobiler sowie schlagfaehiger zu machen. "We don't need a big army anymore. We're surrounded by friends!"
Sie antwortete darauf: "Surrounded by friends, that's hard to imagine. I wish we would be surrounded by friends!"

Donnerstag, 2. Oktober 2008

Byron Bay - Hippi Hort und Oeko Village

Endlich kommt nun der Blogeintrag ueber Byron Bay, dem oestlichste Punkt Australiens an dem wir uns seit mittlerweile zwei Wochen aufhalten.
Nachdem wir unser Auto in Sydney fertig gemacht hatten sind wir Nachmittags um Zwei nach Norden aufgebrochen. Stilecht ueber die Harbour Brigde, seltsamerweise ohne Maut zu zahlen. Egal, mit unserem Strafzettel ueber 91$ haben wir bereits genug Geld in die oertlichen Strassenbaumassnahmen investiert.
Nach einem kurzen Stop an einer Tankstelle an der wir Motoroel (15 W 40, suitable for older engines ;) ) und Kartenmaterial erstanden haben sind wir auf dem Pacific Highway nach Norden vorgedrungen. Unser Ziel war Coffs Harbour um dort zu uebernachten und am naechsten Tag nach Byron Bay zu fahren. Wir kamen bis nach Coffs Harbour, assen dort in einem McDonalds zu abend und waren hin und hergerissen, weil der gesamte! McDonalds von einer Maedchenschulklasse besucht war und wir neben irgendwelchen alten Lehrern die wirklich einzigen Jungs waren. Leider waren alle Maedchen ziemlich dick und haesslich, wir haben wirklich keine einzige, nach allgemeinen Massstaeben "gut" aussehende entdecken koennen.
So entschieden wir uns noch in dieser Nacht nach Byron zu fahren und nach weiteren fuenf Stunden fahrt, einer Polizeikontrolle wegen fehlendem Blinken im Kreisverkehr und einem dutzend Kangarus am Strassenrand erreichten wir Byron, welches zu dieser Zeit voll von betrunkenen und nicht mehr zurechnungsfaehigen Jugendlichen bevoelkert war.
Wir schliefen die Nacht im Auto.

Am naechsten Tag riefen wir Jasper an und gluecklicherweise war er grade in Byron. Er nahm uns mit zu seiner Gastfamilie, die auf den Klippen oberhalb von Byron Bay eine Villa besitzt. Natuerlich wollten wir etwas vergleichbares und haben uns von der Gastmutter gleich eine Liste mit potentiellen Wwoofing-Plaetzen geben lassen bevor wir uns entschieden unser Leben aufs Spiel zu setzen.
Zur Erklaerung: Zwischen Klippen und Meer liegt so etwas wie ein Sumpfgebiet mit Mangrovenwaeldern und Buschdickicht. Die Gastmutter meinte, man koenne den Fluss ganz einfach ueberqueren und so mit Surfboard ausgeruestet ein bis zwei Wellen im Meer surfen. Gesagt getan, wir starteten die Expidition. Leider war der Buschwald ziemlich dicht und wir entschieden uns einfach den Fluss bis zur Muendung zu schwimmen, schliesslich wuerden wir so sicher ans Meer kommen. Ausserdem meinte die Mutter, das man im Fluss bis zur naechsten Ortschaft schwimmen kann, wo sich uns im "einzigen Pub im Ort" wieder abholen koenne.
Schuhe, Handtuecher, Papiere und Kamera wurden also auf ein Surfboard gelegt, die anderen als Schwimmhilfe benutzt.
Nach Krokodilen ausschau haltend schwammen wir so bestimmt 4-5 Kilometer im Fluss, machten auf Sandbaenken halt und erfuhren erst bei unserer Rueckkehr, dass Steinbeisser (eine Art Pyranha) Stingrays ( Steve Irwine wurde von einem getoetet) und Blutegel sowie anderes Getier im Fluss haust. Glueck gehabt. Beweisfotos finden sich im StudiVZ

Die Nacht verbrachten wir in der Arts Factory ( http://www.artsfactory.com.au/ ) , einem Hippi Hostel, das seinesgleichen sucht. Geschlafen haben wir in einer alten Baracke, direkt neben einem Indianertipi und einem bunt bemalten, ausrangierten Londoner Doppeldeckerbus. Anyway, besser als das immer noch nicht ausgebaute Auto.
Die folgenden Tage verbrachten wir damit am Strand zu chillen, zu den Mynion Falls zu fahren sowie eine Wwoofing Family zu suchen.
Die Mynion Falls sind wirklich klasse! Eine gute Autostunde von Byron Bay gelegen mitten im Urwald sind es nochmal eine gute Stunde Fussmarsch bis man sich von der Aussichtsplattform bis zum Fuss vorgekaempft hat. Leider haben wir keine Begegnung mit australischen Wildtieren gehabt, nur eine Pulk von Leuten, welcher sich spaeter als Familie heraustellte ueberholte uns auf dem Weg nach unten um dort in das Wasserbecken des Wasserfalls zu springen und dann wieder zurueck zu joggen.
Seit letzter Woche Donnerstag sind wir bei unserer neuen Wwoofing Family. Dort haben wir Martha kennengelernt, die hier ebenfalls Wwooft. Unsere Arbeit besteht vor allem aus Gartenarbeit, sprich Unkraut jaeten und Pflanzen umtopfen sowie einen Holzcontainer ausraeumen, was wir in den letzten Tagen gemacht haben.
Zwei- bis dreimal die Woche kommt die 'Erdmutter' , welche den Garten macht . Eine taffe Gaertnerin, die keine Scheu hat auch mit blossen Haenden im Kompost herumzuwuehlen um auch das letzte bisschen Gutes fuer junge Setzlinge herauszuholen.
An meinem Geburtstag hat mir die Gastmutter einen leckern Schoko- Bananenkuchen gebacken und es wurde Sabbath gefeiert. Mit Kippa und allem drum und dran. Ein schoenes Erlebnis, denn man wurde gleich ein wenig in den Kreis der Familie aufgenommen.
Diese besteht aus Leon, dem Gastvater, Naomi der Gastmutter sowie drei Kindern, Malli, Miriam und Matambi. Matambi, der aelteste mit 12 Jahren kann dank Jascha mittlerweile ziemlich gut auf Deutsch fluchen. Beispiele ueber seinen Wortschatz lasse ich aufgrund meiner beiden Neffen zweiten Grades an dieser Stelle aus. Gruss nach Weinstein! :)
Das Haus ist quasi eine alte Scheune und eingerichtet wie ein Loft. Sprich ein grosser Raum mit allem drin. Entsprechen offen ist auch der Umgang miteinander.
Weiter sind wir so ziemlich jeden zweiten Tag surfen gefahren und kennen jetzt schon so ziemlich alle Spots in und um Byron Bay. Wir bekommen Mengen und Dauerrabatt beim Surfverlei und man ist auf Du und Du. Laeuft wuerde ich sagen.
In den letzten Tagen mussten Jascha und ich dann einen grossen Container voll mit Holz ausleeren. Das nahm insgesammt gut 15 Stunden in Anspruch, was aber auch daran lag, dass das Holz sortiert werden musste und eine gemein gefaehrliche Schlange der Rasse "Nighttiger" von mir entdeckt und mithilfe des Gastvaters gefangen wurde. Ein wirklich schoenes Tier, aber wohl noch relativ ungefaehrlich wie der Gastvater Leon meinte.
In der zweiten Schicht haben Jascha und ich allein gearbeitet. Vergessen waren dort saemtliche Instruktionen die einem bei der Greencard-Vorlesung beigebracht wurden und so arbeiteten wir in bester Staplerfahrer-Klaus-Manier ( http://www.youtube.com/watch?v=NgqeBcdbFJ4 ) weiter und fuhren den Gabelstapler im huckeligen Untergrund fest und nur Leon konnte ihn wieder befreien. Altes Holz, welches nicht mehr zu gebrauchen war wurde von ihm am Abend kurzerhand mit Benzin uebergossen und angezuendet. Waldbrandgefahr?
Unser Auto faehrt immer noch, obwohl wir einem schweren Unfall nur knapp entkommen sind. Ein Kamikaze-Anwohner bretterte mit seinem Jeep so rastant auf der kurvigen Bergstrasse, als es fast zu einem Frontalzusammenstoss in einer uneinsehbaren kurve kam. Ich fuhr bereits ganz links, aber musste nochmals geistesgegenwaertig und mit einer blitzschnellen Reaktion auf den nicht vorhandenen Seitenstreifen ausweichen um einem Unfall zu entgehen. Der Kerl hatte bestimmt mehr als 50 Sachen drauf. + 30 von uns macht 80. Wie das aussieht kann jeder bei einem ADAC Crashtest-Video sehen. Alte Schrottkarre, aber einen guten Fahrer kann nichts entstellen.
Heute haben wir kleine Cross-Motorraeder entdeckt und sind mit ihnen durch den grosszuegigen Garten und umliegende Huegel geheizt. Beim einen Motorrad musste die Kette gespannt werden, was aber dank meiner guten Mechanikerausbildung 'Hust' bei meinem Grossvater kein Problem war. Morgen bauen wir das Bett in den Wagen und werden sehen ob Enno, seine Schwester sowie Franzi + Gefolge es noch rechtzeitig nach Byron schafft, denn bald werden wir aufbrechen und weitere Surfspots, Natur und Land und Leute kennenlernen.